Ist mein Hund ein Angsthund? Ängste erkennen, behandeln und vorbeugen!

Mein Hund hat Angst – Was tun?

Stundenlange Streicheleinheiten, Bällchen werfen oder ohne Leine durch den Wald laufen – so stellt man sich das Leben mit dem besten Freund des Menschen doch vor! Man vertraut sich gegenseitig und liebt sich ohne Ende, man verbringt jeden Tag zusammen und kann sich das Leben ohne den anderen nicht mehr vorstellen. Ja die Mensch-Hund Beziehung kann schon etwas tolles sein, doch in der Realität sieht das oft ganz anders aus.

Vor allem wenn man sich einen Hund aus dem Tierheim holen möchte oder einen Straßenhund rettet, malt man sich oft Szenarien aus, die nur in den wenigsten Fällen so stattfinden. Dass der einsame Hund, der meist Schlimmes durchgemacht hat, sofort dankbar in deine Arme springt oder stundenlang kuscheln möchte, entspricht teilweise nur in Filmen der Wahrheit.

Tatsache ist, dass viele Hunde, die im Tierheim oder auf der Straße landen, oft viele Traumata erlebt haben und diese auch nicht von einem Tag auf den Nächsten verarbeiten können.

Ein Hund, der als Welpe misshandelt wurde, wird lange Zeit Angst vor Menschen haben, genauso wie ein Mensch auch lange Angst vor Hunden haben kann, wenn er als Kind von einem gebissen wurde.

Wie man Angst beim Hund erkennen kann und wie man mit seinem Angsthund am besten umgeht ist daher enorm wichtig, um die Beziehung zum Hund von Beginn an zu stärken.

Ist mein Hund ein Angsthund? Ängste erkennen, behandeln und vorbeugen! - lovdog.at

Symptome und Verhalten:

Symptome von Angst können unter anderem folgende sein:

  • Zittern, Speicheln und Hecheln
  • Weit aufgerissene Augen und große Pupillen
  • Der Schwanz ist eingezogen, evtl. bis unter den Bauch eingeklemmt
  • Ohren und Mundwinkel sind nach hinten gerichtet
  • Steife Körperhaltung mit einem Körperschwerpunkt nach hinten
  • Hunde zeigen verstärkt sog. Calming Signals – die Beschwichtigungssignale der Hunde

Verhaltensreaktionen, die vermehrt von ängstlichen Hunden gezeigt werden, sind vor allem das Erstarren, Flüchten, Kämpfen oder auch Herumalbern.

Gerade die Kampfreaktion wird von vielen Menschen und auch Hundehaltern oft falsch verstanden. Denn meist, wenn der Hund aggressive Tendenzen zeigt, steckt Angst dahinter und keine böswilligen Gedanken. Der Hund fühlt sich in der Situation bedroht, was im Körper einen Adrenalinzuschuss auslöst, damit der Hund im Falle des Falles um sein Leben kämpfen kann. Auch wenn diese Reaktion nicht angebracht ist, kann der Hund nichts für sein Verhalten.

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Was kann man tun?

Eine richtige Handhabung bei ängstlichem Verhalten des Hundes ist äußerst wichtig – man möchte ja nicht unabsichtlich die Angst verstärken!

Darum sollte man vor allem mit Ruhe und einer großen Portion Geduld an die Sache herangehen und sich bewusst sein, dass es sehr lange dauern kann, bis der Hund Vertrauen gefasst hat.

Hierbei hilft es tägliche Routinen zu entwickeln und dem Hund einen gleichbleibenden Tagesablauf zu bieten. Wie auch bei Welpen, sollte man an jede Situation Schritt für Schritt herangehen um den Hund nicht zu überfordern. Gerade wenn man merkt, dass der Hund in Angst verfällt, ist es ratsam eher einen Schritt zurück zu machen, anstatt den Hund in die Situation zu drängen.

Wichtig ist es auch zu verstehen, dass Hunde anders ticken als wir Menschen und man in manchen Situationen anders auf den Hund reagieren sollte, als wir es bei einem unserer Mitmenschen vielleicht tun würden. Denn wenn ein Mensch Angst hat oder sich unwohl fühlt, reagieren wir meist mit Zuspruch und Trost, einer Umarmung und viel Mitgefühl. Der Hund allerdings, versteht diese Signale ganz anders – nämlich als Bestätigung der Angst und dem damit verbundenen Verhalten.

Stell es dir so vor: Dein Hund hat Angst vor einem Mann mit schwarzem Mantel und beginnt zu zittern. Der Besitzer nimmt dann den Hund tröstend in den Arm und beginnt ihn zu streicheln. Wie auch bei dem erlernen von Tricks, ist Zuneigung eine Belohnung mit der man das Verhalten des Hundes bestärkt. Genau so bestärkt man auch hier das Verhalten des Hundes und der Hund merkt: Oh, in dieser Situation habe ich richtig reagiert – ergo: Vor Männern in schwarzen Mänteln ist es richtig mit Angst zu reagieren.

Wie kann man also richtig agieren um dies zu vermeiden?

So hart es auch klingt, man sollte die Angstquelle und das Verhalten des Hundes ignorieren. Vor allem dem Hundebesitzer wird diese Reaktion schwer fallen, denn man leidet oft mit dem liebgewonnenen Vierbeiner mit und möchte ihm helfen. Durch das Ignorieren, merkt der Hund dann aber, dass die Angstreaktion anscheinend gar nicht angebracht war und lernt es, diese zu vermeiden. Natürlich braucht auch das seine Zeit, doch mit konsequenter Wiederholung wird dein Hund bald verstehen, dass sein Angst vollkommen unbegründet ist.

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Hilfreiche Bücher:

Falls du das Gefühl hast, dass dein Hund ein Angsthund ist, informiere dich am besten mehr über die richtige Vorgehensweise bei TierärztInnen oder auch HundepsychologInnen. Für den Anfang können auch folgende Bücher hilfreich sein:

  • Angsthunde, Bettina Specht, animal learn Verlag
  • Stress bei Hunden, Clarissa v. Reinhardt und Martina Nagel, animal learn Verlag
  • Calming Signals, Turid Rugaas, animal learn Verlag
  • Perspektivwechsel, Maria Hense und Christina Sondermann, Cadmos Verlag

Wir hoffen sehr, dass dir dieser Beitrag etwas weiterhelfen konnte. Falls du dich beim Thema Angsthund auskennst, lass doch gerne deine Tipps hier um auch anderen aushelfen zu können!